Christoph Sanders, Thalheim
Ein grauer Dienstagmorgen mit sehr viel Wind und Temperaturen an der Frostgrenze. Im Familiendiesel über Montabaur die knapp dreißig Kilometer nach Bad Ems in die Rehaklinik gebracht worden. Vorher noch einmal echtes Vollkornbrot gegessen. Gestern Abend und heute Früh von Lesern meines Radblogs viel Zuspruch und beste Wünsche für meinen Aufenthalt bekommen. Zum Teil von Leuten, mit denen ich irgendwann mal eine Strecke kreuzte und von denen ich gar nicht wusste, dass sie da reinschauen. (Interessant!)
Ich hoffe, dass ich in der Lage sein werde, in Bad Ems das fabelhafte Ehepaar Jacobi zu besuchen – Andrea ist Textildesignerin (mit ihrem eigenem Label „meinweiß“) und Jens Historiker, Restaurator und Sammler von Möbeln, Leuchten, Kunst, Keramik und Holzarbeiten. Die beiden betreiben im „Schützenhof“ eine Galerie, die sie auch für Veranstaltungen nutzen. Ein kultureller Leuchtturm. Außer, dass noch die Musikschule meiner Kinder hier ist, brauch ich mich mit dem Rest des Städtchens wohl nicht weiter auseinanderzusetzen …

Ankunft in der Klinik und Bezug des Zimmers. Alles wie befürchtet. Vor allem der Geruch macht mir zu schaffen, so dass ich sofort fremdle. Wahrscheinlich ist hier alles gut und ordentlich, ich kann das nicht beurteilen. Mein Unbehagen ist eher physischer Art. Dies ist ein Ort der Krankheit, der verwalteteten Krankheit. Es ist schön, dass es so etwas gibt – für andere. Ich werde mich darüber nicht weiter auslassen – keine Details, Stillschweigen. Ich muss schnell herausfinden, was ich tun muss, um vorzeitig geheilt entlassen zu werden. Ich hole aus dem Potsschließfach meinen Behandlungsplan. Bis auf eine Blutabnahme ist das heute ein leerer Tag. Dank des Laptops kann ich aber mit der Überarbeitung der alten Blogtexte weitermachen. Ein wunderbares Gefühl, auch wenn ich dabei auf einem Kunstlederstuhl schwitze. Leben.
