Christoph Sanders, Thalheim

Am Montag in der Online-taz ein gutes Stück von Helmut Höge, der viel originelles Wissen über Lerchen zusammengetragen hat. Ich weiß nun, dass der Charaktervogel Thalheims die Feldlerche ist – und das trotz der industriell bewirtschafteten Felder. Als ich meine morgendliche Vaterpflichrunde gedreht habe, sofort wieder zu Bett, da die sonntägliche Bergeinheit die Muskeln schlauchte. Nach der weiteren Erholungspause ein geschmeidiger Wochenbeginn bei milderen Temperaturen und leichtem Regen – da muss ein Rad mit Schutzblech her. Besorgungen, Momoxkartons zur Rewe-Poststelle, danach Radpflege. Der Teenie büffelt Fahrschultheorie: „Was ist der Reifeninnendruck?“ – alle schlafen ein. Die Deutsche Fahrschule ist das Summum der Verkehrsbürokratie, war sie schon zu meiner Zeit.

Nachdem ich aus den Schauern von der Höhe zurück bin, gehts an die Pfanne zum Lachs, den ich mit umfangreichen Karrotten- und Kartoffelbeilagen serviere. Dann bring ich wie jeden Dienstag die Ballerina nach Westerburg. Dort suche ich nach Alben für meine 10.000 Berlin-Kleinfotos, die ich für die Nachwelt erhalten möchte – Rossmann hat ein brauchbares Modell, aber es ist noch nicht das definitve. Am Abend gewinnt der FC Dorndorf II meines Sohnes in einem sehr mäßigen Spiel (inklusive verschossenem Elfmeter) mit 1:0 gegen die SG Taunus. Gegen Ende häuften sich die ruppigen Szenen und wüsten Beschimpfungen unter den Spielern – was die gute Stimmung unter den insgesamt 100 Zuschauern nicht trübte.

Am Mittwoch in der Frankfurter Rundschau in einem Artikel der Fun Fact, dass US-Tankstellen an den Zapfsäulen keine zweistelligen Preise ausweisen können – bei 9,99$ pro Gallone ist Schlus mit der Skala. Nachdem ich alle mit gutem Zureden aus dem Bett und zum Frühstücken gebracht habe, ein weiterer Schultransport, der sich bei etwa 5,4 Litern Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern bewegt. Nach Beendigung der Chauffeursdienste Öffnen des Hasenstalls und Verstreuung von Möhrenschalen, danach Hausmüllmanagement und Waschmaschineninstandsetzung – die Pumpe war von Zopfgummis samt Haarknäueln blockiert. Mildes Schauerwetter mit wunderbaren Lichtwechseln, rundherum supersattes Grün in allen Variationen. Im SWR-Kulturradio ein Report über Wildbienen und Hummeln, die für botanische Vielfalt sorgen, da sie als Sonderbestäuber selbst an schwer zugängliche Blüten gelangen. Die Glockenblume gilt als Indiz für eine gute Bienenpopulation – was ich bestätigen kann, sobald ich durch unseren Garten gehe. Über den Tag immer wieder Schauer – Raps, Gerste, Weizen und Luzerne stehen voll im Saft. Großartig!

Zu Bett mit den Memoiren des Berufsjägers Karl Zorn aus dem Westerwald/Taunus, Jahrgang 1890, Sohn eines Försters. Sehr gute Waldbeschreibungen und Tierbeboachtungen, zum Beispiel über den Fuchs als Gesundheitspolizei: Erst wenn kein Aas mehr zu finden ist, jagt er Frischwild, anders sein „blutrünstiger Vetter“, der Wolf. Als Jäger ist man Herr über Leben und Tod und reguliert Ungleichgewichte: Reißen Füchse junge Hühner, Hasen oder Kitze werden sie erschossen, füttert die Fähe ihre Jungen nur mit Nagern oder Maulwürfen, werden sie am Leben gelassen, weil sie auch später vor allem diese Schädlinge fressen. Ökologie wird im Sinne des Reviers betrachtet: welches Wild ist gesperrt, was darf man gerade schießen. Ein eigener Kosmos aus aufregenden Jagdpartien, fachmännischer Hundezucht und waidmännische Regelwerk. Zwischendurch werden die ausgestorbenen Haselhühner und der Otter bedauert, der einst in der Lahn lebte. Natürlich grenzt sich der „echte“ Jäger Zorn vom städtischen Jagdscheininhaber ab – dabei lebt das gesamte System von den Pachtzahlungen begüterter Hobbyschützen. Dazu viele Anekdoten – man definiert sich über das Special-Interest-Thema – ganz wie wir Radsportler. Am Ende zwei Formen desselben archaischen Freiheits- und Bewegungsdrangs.

Am Morgen eines langen, sonnigen Donnerstags bewundere ich zuerst die am Vortag doppelt erblühte Päonie, die im Volksmund auch Pfingstrose heißt – und das ist ja schon am Wochenende!
Der Sohn nutzt den vollen Lohnausgleich im Krankheitsfall, den er als FSJler genießt, und schläft aus. In Hadamar sehe ich kurz vor meiner Nasenflügel-OP eine offiziele Bekanntmachung, in der dazu aufgefordert wird, die Asiatische Hornisse zu melden. Die gibt es hier häufig, ich halte die Augen offen. Die Betäubung ist äußerst schmerzhaft, aber extrem wirkungsvoll. Da durch die Nase auch der Nerv für den Schneidezahn verläuft, wird dieser ebenfalls taub. Nach der Operation noch Stunden später Kopfschmerzen, aber aus der Caritas-Schütte einen fünfarmigen, versilberten Kerzenleuchter gerettet! Schlichte, sehr angenehme Form – die Jüngste verhilft ihm zu altem Glanz. Ich freu mich schon auf den nächsten Stromausfall.

Freitag nach dem Frühstück erste Wäsche und Buchsbeschneidung bei großem Wetter – das kann gern noch ein paar Tage so bleiben. Organisationstelefonate wegen meines armen Schwiegervaters, der zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit gestürzt ist, was bei ihm zu Panikattacken und einem Demenzschub führte. Anfangs weigerte er sich aufzustehen, weil er sich plötzlich an das Gitterbett erinnerte, in dem er, wenn seine Mutter arbeiten ging, als Kleinkind halbe Tage verbrachte. Seine Frau ist komplett überfordert mit der Situation. Nun wird in der Familie gerechnet; aber 24-Stunden-Pflegedienste sind sehr teuer – ich werde Pfingsten als Strohwitwer verbringen.

Helmut Höge über Lerchen: https://taz.de/Die-Wahrheit/!6179347/
Der Wildbienenbeitrag im SWR: www.swr.de/swrkultur/wissen/wildbienen-wie-wir-sie-schuetzen-koennen-das-wissen-2026-05-20-102.html
Die Schriftstellerin Helga Schubert über die Pflege ihres Mannes und das Sterben: https://ueber-das-ende.podigee.io/51-neue-episode
