Lore Morr, Parchim

Auch wenn es noch zwei Wochen bis Ostern sind, habe ich bereits alles geschmückt und erfreue mich beim Frühstück und Abendbrot, wenn ich vom Küchentisch auf den Balkon blicke. Die Kirschzweige habe ich in dem kleinen Blumenladen „Blütezauber“ hier in der Nähe in der Fichtestraße gekauft. Die werden von Jahr zu teurer, aber das ist mir meine Freude wert. Man muss es sich doch schön machen!

Am Donnerstag kam meine Pflegerin Manyi ganz aufgelöst und mit Verspätung bei mir an. Vor mir fährt sie immer noch zu zwei anderen Frauen – und die hatten an dem Morgen oder in der Nacht beide einen Schlaganfall! Manyi hatte so etwas noch nie vorher gesehen – zum Glück werden die Pflegerinnen auch in Erster Hilfe trainiert, so dass sie wusste, was in so einem Fall zu tun ist. Natürlich war sie trotzdem sehr geschockt. Bei mir bekommt sie ja immer einen Cappuccino und ein Stückchen Kuchen, danach gings ihr besser. Sie erzählte ein wenig aus ihrer Heimat Bulgarien, wo durch die Einführung des Euro nun alles teurer geworden ist. Wenn nicht so viele Kleingärten hätten und selbst Einkochen und Einwecken würden, wäre die Not groß. Das kenn ich ja noch aus der DDR, da lebten wir auch von unseren Gärten. Das einzig Gute am Euro ist, dass sie nun ihrer Mutter einfacher Geld schicken kann. Wenn ich mich nicht mit ihr unterhalten würde, wüsste ich gar nichts über Bulgarien – im Fernsehen wird darüber nicht viel berichtet, außer es sind dort gerade Wahlen. Ich bin mit meiner Manyi sehr zufrieden, sie ist die Einzige, die von sich aus sieht, was getan werden muss. Trotzdem wird sie von einigen als „Zigeunerin“ beschimpft und ihr unterstellt, dass sie klauen würde, was mich sehr traurig macht. Manche Menschen sind einfach böse.
