Lore Morr, Parchim

Seit dem Wochenende sieht man bei uns in der Regimentsvorstadt die ersten Frühblüher! In der Nacht haben wir meist noch Frost, aber am Tag geht das bis zu 14 Grad hoch, ich kann schon meine dünne Jacke anziehen. Jetzt, wo kein Schnee mehr liegt, komme ich auch wieder mit dem Rollator überall hin, das ist eine große Erleichterung.

Am Donnerstag war ich in der Weststadt bei der Frauentagsfeier der Ortsgruppe der „Volkssolidarität“. Die fand im Veranstaltungsraum der Anlage für altersgerechtes Wohnen „Uns Pütter Hus“ statt und war nur für Frauen zugelassen. Man hätte das aber gar nicht extra so machen müssen, von uns alten Schachteln hat doch sowieso keine mehr einen Mann. Es gab gute Mandarinentorte, Kaffee, Saft, Selters und zum Anstoßen Sekt mit und ohne Alkohol. Auf politische Reden wurde zum Glück verzichtet, was soll man da auch erzählen. Ein Alleinunterhalter machte Witze und spielte Musik ab, sodass man tanzen konnte, was auch viele machten, bei mir geht das ja leider nicht mehr. Ich hab mich dann mit denen unterhalten, die um mich herum saßen. Alle ohne Rollator redeten aber nur von ihren Urlauben und jammerten herum, dass sie mit ihrem Traumschiff nun nicht mehr überall hinkommen, weil im Iran Krieg ist. Eine Bekannte von mir hat sich jetzt sogar Wasservorräte angelegt, weil sie glaubt, dass bald eine Bombe auf Parchim geworfen wird, sie ließ sich gar nicht davon abbringen. Zum Abschied konnte sich jede von uns aus einem Eimer eine Rose aussuchen – das waren diesmal sogar richtig gute mit langen Stielen; ich nahm eine orangefarbene mit, die perfekt zu den Farben in meinem Wohnzimmer passt. Das war ein sehr schöner Nachmittag – man freut sich ja immer, wenn man sich ab und an trifft und sieht, wer noch am Leben ist oder keinen Schlaganfall hatte.

