Christoph Sanders, Lahntalklinik Bad Ems
Dritter Reha-Tag. Nachdem mich mein Sohn am Dienstag mit dem Auto hergebracht hatte, brauchte er wegen plötzlich einsetzender heftiger Schneefälle über drei Stunden für die dreißig Kilometer zurück – die B49 war stellenweise so verschneit, dass sogar das Räumfahrzeug ins Schleudern kam. Trotz des „Führerscheins auf Probe“ hat er alles bravourös gemeistert. Er ist mein Held!!!

Der Kauf des stattlichen Radioweckers beim Trödler vor ein paar Tagen war eine ausgesprochen gute Idee – so konnte ich in der ersten Nacht an der dezent rot glühenden LED-Anzeige sehen, dass ich jede Stunde neu erwache. Viele Sender überlappen sich, doch ich bekomme den DLF eingestellt. Am Abend schaue ich über den Zimmerfernseher DFB-Pokal. Die Kinder schicken Bilder ihrer Mahlzeiten, was zugleich schön und etwas dreist ist. Ich könnte ihnen Fotos von in Speiseöl getränkten Spaghetti mit (immerhin!) etwas Gemüse zurückposten. Durch mein Fenster Sichtung von ungefähr einhundert Kranichen, die wohl gerade ihr Zwischenlager beziehen. Neblige Morgen, milchig-sonnige Tage. Die Haselblüte hat begonnen. Ich habe noch keine Muße, den Bunker zu verlassen.

So langsam entschlüssele ich den Zauberberg: Die Lahntalklinik befand sich vorher im sechs Kilometer entfernten Nassau, dann Umzug hierher. Das Hauptgebäude erinnert an einen modifizierten Hotelbetonklotz aus den siebziger Jahren, wie man ihn auf Fotos aus Benidorm und ähnlichen Urlauberhochburgen gezeigt bekam. In den Zimmern Neonlicht. Abendessen nur bis 19 Uhr. Für so etwas muss man gemacht sein – andere fühlen sich hier bestimmt pudelwohl. Die sehr netten Reinigungskräfte stammen aus Russland und Albanien.

Während er meine Narbe weichknetet, sagt mir der Physiotherapeut, dass ich nach der OP mehr Lymphdrainagen gebraucht hätte – was wir nun nachholen. Das Training auf dem Ergometer zeigt schnell Wirkung – mein Hämatom bildet sich sichtbar zurück. Neben den offiziellen Übungen, zu denen auch leichter Kraftsport gehört, steige ich Treppen – die rutschfesten Basketsneaker machen sich bezahlt.
Zwischen den Behandlungen und am Abend weiter mit der Revision meines Blogs – der Spätherbst 2017 ist erreicht. Ein gutes Radjahr. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich all die Strecken vor mir. Mit diesen Bildern schlafe ich ein.
