Maria Leonhard, Spornitz
Die Entdeckung des Gedenksteines bei unserer Neujahrswanderung ließ mir keine Ruhe, und so suchte ich noch am selben Abend im Internet nach Otto Heine. Auf der Seite unseres Heimatvereins wurde ich fündig. Dort wird berichtet, dass Herr Heine Anfang der 1950iger Jahre als Revierförster nach Spornitz kam und ein hohes Ansehen in der Gemeinde genoss. In der Zeit seines Wirkens waren die Wälder durch hohen Holzeinschlag bei wenig Aufforstung stark dezimiert – durch eine gute Waldbewirtschaftung gelang es ihm, dieses auszugleichen. Otto Heine war gesellschftlich sehr engagiert, organisierte im Spornitzer Revier das Jagdwesen neu, war hier auch Jagdleiter. Nach seinem Tod im Jahre 1971 soll seine Jagdgruppe den Stein gegen die Weisung der Behörden an der Quelle der Beck gesetzt haben, wo er heute noch, stark verwittert, zu finden ist.

Mein Mann und ich machen uns im russischen Jagdauto auf den Weg. Unser Hund Pico ist auch dabei. Der Russe rumpelt über den Waldweg, wir werden ordenlich durchgeschüttelt. Pico kennt das schon. Er freut sich auf den Wald und wedelt mit dem Schwanz. Ich wäre lieber gelaufen, da mich aber die genaue Inschrift des Steines interessiert, habe ich einen Eimer mit warmem Wasser dabei – der wäre auf der etwas langen Strecke zu schwer zum Tragen gewesen. Ich bin froh, dass mich mein Mann fährt und mein Interesse an dieser Geschichte unterstützt. Das letzte Stück bis zur Jagdhütte gehen wir zu Fuß. Über Nacht hatte es geschneit. Nun ist das Schlösschen, an dem wir mit Freunden zusammen das neue Jahr begrüßten, in eine dünne weiße Decke gehüllt. Nichts zeugt mehr von unserem fröhlichen Treiben und der schönen Zeit miteinander.

Der Stein steht etwas abseits. Wenn man sich ihm von vorne nähert, ist es leicht abschüssig und rutschig. Ich betrachte das kleine Denkmal, das hier nun schon seit vierundfünfzig Jahren steht. Wie schön, dass die Jagdgruppe ihrem Leiter so eine letzte, die Zeit überdauernde Ehre erwies. Vorsichtig lege ich mit Wasser und einer Bürste die Schrift frei – besonderen Menschen gilt meine Achtung!

In der Zwischenzeit tobt Pico meinem Mann um die Füße und ist in seinem Element – ein schönes Bild entfesselter Lebensfreude. Es ist so viel Energie, die in dem Tier steckt! Eine Energie, die auf alle überspringt, die mit ihm zu tun haben. Als ich fertig bin, stapfen wir drei zum Russen zurück. Zu Hause müssen wir Pico abduschen. Das Bad schwimmt ein wenig, aber als der Hund sauber, friedlich und trocken in seiner Ecke liegt, ist der Ärger darüber verflossen. Picos Ruhe überträgt sich auf uns, Kaffeeduft zieht durch die Stube.

