Maria Leonhard, Spornitz
Ein weiterer grauer Tag. Aus dem wolkenverhangenen Himmel fallen kleine Schneeflocken. Es ist kein heiter stimmender Tanz, nein, die Flöckchen fallen, als wollten sie sich so schnell wie möglich auf der kalten Erde niederlegen – Zack, unten! Da brauche ich als Kontrast etwas, was mich fröhlich stimmt. Also packe ich nun endlich das an, was ich schon seit ein paar Tagen erledigen wollte.

Zur Maulwurfserde, die ich bei einem Spaziergang eingesammelt hatte, ist inzwischen ein weiteres Beutelchen gekommen. Nun reicht die Menge aus, um einige der Setzlinge einzutopfen, die ich auf der Fensterbank hege. Eigentlich ist das keine Aufgabe für den tiefsten Winter, aber kürzlich entdeckte ich, dass eine Rose sich kaum noch aus der Vase lösen lässt. Sobald die Arbeitsfläche in der Küche vorbereitet ist, geht mir alles schnell von der Hand. Am Ende habe ich vier fertige Pflänzchen in der Erde. Nun müssen sie nur noch wachsen. Eines Tages werden sie mich mit ihren Blüten und Blättern erfreuen und einen feinen, frischen Gartenduft im Haus verströmen.

Während ich behutsam neues Leben in Erde setze und ihm Raum zum Gedeihen gebe, geht gerade an anderer Stelle etwas lang Vertrautes zuende:
Meine Jüngste verabschiedete sich am Wochenende mit einem Auftritt von der Garde des Spornitzer Karnevalvereins. Auch beim Showtanz, an dem sie und ihre Mittänzerinnen so lange und fleißig gearbeitet hatten, stand sie zum allerletzten Mal mit auf der Bühne. Mit einem tränenden Auge macht sie nun ihren Platz für jüngere Mädchen frei. Seit 2009 engagierte sie sich im Verein, zuerst mit ihrer großen Schwester und dann allein. Wie viele Proben und lange Fahrten von Hamburg zum Training nach Spornitz liegen hinter ihr! Was für eine superschöne Zeit unter Freunden und Gleichgesinnten!

Ihr letzter Auftritt war auch für mich ein stiller Abschied: Kein aufregendes Herzklopfen mehr bei den Darbietungen, keine Angst mehr, dass die Karten für die begehrten Abendvorstellungen im Dorf ausverkauft sein könnten, keine bangen Wartestunden, bis alle von den Auswärtsveranstaltungen spät nachts zu Hause ankamen, keine Sorge um ihre Gesundheit, wenn sie nur mit dem knappen Kostüm bekleidet bei Minusgraden an den großen Umzügen teilnahm …

Und es ist auch der Abschied von meinem stillen Helferdasein im Hintergrund, wenn es galt, das Garderöckchen zu waschen und zu bügeln, das Bäffchen zu reparieren, oder die Mädchen pünktlich zum vereinbarten Ort zu bringen. Ab jetzt wird kein Telefon mehr den Papa wecken und ihn eine vertraute Stimme bitten: „Kannst Du uns jetzt abholen?“ Denn auch er war immer für die Mädchen da.
Wehmütig steht meine Kleine in der Küche: „Mama, und nun?“ – „Jetzt hast Du Zeit für Neues!“ Ja, sie hat Pläne – und das beruhigt mich. Seit kurzem ist sie verlobt. Unser kleines Mädchen!
