Maria Leonhard, Spornitz
„Nun schaffen sie es doch!“, dachte ich vor drei Wochen. „Zwar nicht wie gewöhnlich zu Weihnachten, aber vielleicht ja zu Pfingsten – auch gut!“ Jetzt ist es sogar früher passiert und der letzte von fünf Rittersternen erfreut mich mit seiner wunderschönen Blüte – und das in meiner Lieblingsfarbe! Und auch die kleinste Zwiebel von allen hat endlich ihre Blätter herausgeschoben. Für eine Blüte fehlt ihr sicher noch die Kraft, aber vielleicht ist sie ja Ende dieses Jahres oder im Januar so weit.

Die meisten der Amaryllis blühten kurz nach Weihnachten. Ich ließ sie zuvor im Gewächshaus in guter Erde übersommern, dann ruhten sie trocken in einer dunklen Ecke, anschließend topfte ich sie ein.

Fast alle Pflanzen zeigten schnell zarte Knospen – über Monate erfreute ich mich an ihrem Wachstum. Die beiden Nachzügler wollte ich aber nicht so einfach aufgeben! Weil sich über die kleine Zwiebel eine Schnecke hergemacht hatte, wies sie eine Fraßstelle auf. Sie und das zweite Sorgenkind erhielten meine volle Aufmerksamkeit: Sie bekamen eine neue Lichtquelle, frische Blumenerde und ein anderes Düngestäbchen. Ich gab ihnen ganz vorsichtig Wasser und redete ihnen sogar ein bisschen zu – bevor ich sie aussortiere, sollten sie ihre Chance bekommen. Fast drei Monate umsorgte ich sie – jeder noch so kleine grüne Schimmer gab mir dabei Hoffnung.

Und irgendwann sah ich jeden Tag ein bisschen mehr Grün – bei der einen den Trieb, der mich neugierig auf die Farbe machte, und bei der Kleinen die Blätter. Meine Freude darüber, empfinde ich als Dank der Natur für meine Mühe.
