Zlatomir Popovic, Moabit
Gegen neunzehn Uhr begann ich, mein verspätetes Mittagessen zuzubereiten. In weniger als einer halben Stunde war ich damit fertig und konnte mich an den Tisch setzen. Nachdem ich aufgegessen hatte, trank ich langsam Tee und schaute aus dem Fenster.
An dem großen Baum im Hinterhof sah ich oben auf einem Ast eine Krähe. Es war düsteres Wetter, es begann dunkel zu werden, und ich dachte, die Krähe bereitet sich darauf vor zu schlafen.

Zwei, drei Minuten später flog sie an einen niedrigeren Ast, dann noch niedriger, danach an einen Astabzweig. Da merkte ich, dass etwas passiert. Ich nahm das Fernglas und sah, dass die Krähe sich neben ein Taubennest gesetzt hatte. Die Taube versuchte, sie mit Flügelflattern fernzuhalten. Die Krähe blieb sitzen und wartete fünf Minuten. Dann setzte sie sich in das Nest hinein und begann, die Eier zu essen. Die Taube schaute dabei zu.
Als das letzte Ei verschwunden war, flog die Taube weg. Die Krähe putzte ihren Schnabel und begab sich wieder an die Stelle im Baum, von der aus sie ihren Angriff vorbereitet hatte. Nach einer Weile flog auch sie weg.
Die Taube kam zurück, flatterte um ihr Nest herum und schaute es sich von allen Seiten aus an, begab sich aber nicht hinein. Dann verschwand sie und kehrte an diesem Abend nicht mehr wieder.

Ich habe diese Szene nicht ohne Emotionen und Assoziationen beobachtet. Am liebsten hätte ich die Krähe vertrieben, und dachte dabei die ganze Zeit an einen gewissen Herrn Trump.
