Frank Schott, Leipzig

Eine solche Mischung aus leuchtendem Rosa und zartem Hellblau würde ein Innendesigner brüsk von sich weisen und auch meine Kolleginnen aus der Grafikabteilung hätten sich geschüttelt. Aber die Natur macht das einfach mal – und so begleitet mich am Montag ein spektakulärer Sonnenaufgang auf dem Weg zu meiner Ärztin, wo ich die letzten Unterlagen für meine am Donnerstag beginnende Reha abholen will, und vielleicht ein paar aufmunternde Worte, die ich auch bekomme: „Erwarten Sie nichts und lassen Sie sich einfach darauf ein.“ Und ja, ihren anderen Patienten habe es dort gefallen.

Bis auf das rosa-blaue Schauspiel zur Morgenstund ist es ein grauer Schneematschtag. Das Wochenende über war die halbe Stadt in den Parks unterwegs. Mit Schlitten und Porutschern, auf Schlittschuhen und Skiern, oder ganz einfach zu Fuß. Hunde und Kinder tollen im Schnee. Fluss und Teich sind zugefroren, schneebedeckt und voller Menschen, was mich an Szenen von Pieter Bruegel denken lässt, Nur dass seinerzeit die Brücken nicht mit Graffiti beschmiert waren.

Ich nutze den Sonntag zum Laufen – was überraschend viele ebenso machen. Vielleicht klingen bei dem einen oder anderen noch die guten Neujahrsvorsätze durch, doch die meisten scheinen eher gewohnheitsmäßig zu joggen, so wie ich selbst ja auch. Das ist auf den zunächst zugeschneiten, dann angetauten und in der Nacht mit Eis überfrorenen Wegen heute aber ein wenig knifflig. Am besten läuft es sich am Rand, wo der Schnee noch etwas pulverig ist.

So eine Winterlandschaft hat etwas Archaisches, Urtümliches an sich, das die Seele berührt. Die Unbill des Schneegestöbers ist vorüber. Die Sonne lässt Eiskristalle glitzern. Da es der Schmutz von Streusalz, Sand und Matsch nicht bis in den Park geschafft hat, ist alles strahlend weiß. Die Krähen beschweren sich lauthals über die erschwerte Futtersuche. Über ihnen kreist ein Raubvogel, dessen heisere Schreie weit tragen. Dampfend entweicht mein Atem.

Die Lufttemperatur liegt deutlich unter null Grad, doch ich friere nicht. Trotzdem tut es gut, sich nach dem Lauf in die warme Stube zurückzuziehen. Dank der Terroristen der Vulkangruppe bin ich daran erinnert, dass Strom und Wärme keine Selbstverständlichkeit mehr sind. Dann muss ich noch über einen Spruch schmunzeln, den ein Bekannter schickt, sinngemäß: „Wir zahlen mit der CO2-Abgabe sehr viel Geld, damit die Temperaturen sinken. Kann es sein, dass wir zu viel bezahlt haben?“
