Christoph Sanders, Thalheim

Am Sonntag Erholung von der Spessart-Tour am Vortag. Schauer und Wolken. Wie schaffen es diese Kirchturmdohlen nur jedes Jahr, zu riechen, dass nun die Zeit für ihre Sammelplätze gekommen ist? Kleine und kleinste Räumarbeiten – ich habe bei den Anzügen und Sakkos den Rotstift angesetzt. Mit meiner begeisterten jungen Tochter die Top Ten der zu behaltenden Krawatten ausgesucht. Gestern ging meine Kleine zum letzten Mal vor unserem Umzug in unsere Dorfkirche. Es findet dort alle drei Wochen ein Gottesdienst im „pastoralen Raum“ statt. Sie war mit Abstand die Jüngste im neugotischen Bau. Der Teenie mit Lerndruck und der Sohn im Countdown, da in zwei Wochen sein Semester beginnt. Am Abend zittert man im Regierungsbunker vor den Hochrechnungen – und der Bundeskanzler gibt Durchhalteparolen in eigener Sache aus.

Ein graukühler Montag mit rosa und blauen Himmelsstreifchen. Das Haus ist mit Umzugskartons zugestellt. Diskussionen mit meiner Frau, ob das alte Spielzeug der Kinder für etwaige Enkel aufbewahrt werden soll – bei so etwas schwingt vermutlich auch eine Sehnsucht mit. Ich bin da nur bei den Sachen aus meinen eigenen Kindertagen sentimental. Immerhin durfte ich eine vollkommen entstellte, rot bemalte Puppe entsorgen. Nachricht von unserem Tour-Unfallopfer am Samstag, das nun einen geflickten Oberschenkel hat. Filme belichtet und Bolognese gekocht. Fantastisches Herbstwetter mit grandiosen Wolkenbildern – niemand redet mehr von Dürre, Missernte und Schokoladenpreisdeckel.

Der Dienstag strahlend und nahezu ereignislos. Einzig der drohende Knall eines alten Fahrradmantels, dessen Flanke sich auflöste und allmählich den Schlauch zu erkennen gab, sorgt bei mir unterwegs für etwas Spannung – am Ende schaffe ich es aber bis nach Hause. Am Nachmittag mit der Jüngsten zum Ballett – ich habe im Kofferraum einiges für die Bücherverschenktelefonzelle in Westerburg dabei. Ich nutzte die Tanzstunde für einen Kaufland-Besuch. Das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben meldet eine völlig normale Weizenernte in Deutschland, nur der Süden hatte Einbußen im einstelligen Bereich, was der Norden ausgleichen konnte. Rekorde bei der Obsternte – das bedeutet, dass die Marmeladenpreise sinken werden, was ich begrüße. Daheim stoße ich auf einen Bananenkarton mit selbstaufgenommenen Kassetten – die John-Peel- und ElektroBeats-Sendungen behalte ich.

Am Mittwoch erfasst das Chaos des Umzugs unser komplettes Haus. Am Donnerstag gibt es Stress wegen der Kartonagen und der Sortierung – jetzt erkennt die gesamte Familie, was das für ein Aufwand ist. Schnell zum Radfritzen und anschließend Lebensmittel besorgen. Der Infekt scheint durch zu sein. Schränke räumen, Socken und zerlöcherte Pullis in Säcke packen. Ein wunderschönes Septemberlicht dieses Blau hinter ganz sanften Wolken, dazu das schräge, warme, modellierende Licht der Nachmittagssonne. Am Abend sind fast alle Kartons voll, morgen muss Nachschub besorgt werden. Diese Woche wird noch sehr lang.

Am Freitag komplett platt von der ganzen Räumerei, wie fieberkrank oder übernächtigt. Ich vergesse ständig alles. Natürlich trotzdem das Haus weiter darauf durchgekämmt, was weg kann und muss. Nicht, weil es nun beengter wird, sondern weil man sich fragt, ob man damit noch etwas macht. Ich bin froh, dass die Helfer auch die sperrigen Schränke aus dem zweiten Geschoss heile herunterbekommen, und auch, dass einem ein starker Sohn beiseite steht, wenn man ihn bittet. Es ist warm und trocken – den draußen geparkten Möbeln wird nichts zustoßen.

Am Samstag um sieben mit dem Frühstück fertig und danach einen Transporter besorgt. Zum Glück ein weiterer sonniger Herbsttag – es bleibt trocken und auch der Schweiß strömt nicht allzu sehr bei 16 Grad. Von ein paar sehr schweren Kartons leider ein Ziehen im Rücken. Am Abend ein interessantes 2:3 der Engländer gegen taktisch saubere Spanier. Jamal scheint nicht mehr seine alte Zauberkraft zu besitzen.

