Frank Schott, Leipzig
Grau ist: Wenn es egal ist, was Du tust. Es gleichgültig ist, was Du sagst. Es unwichtig ist, ob Du ehrlich bist.
Grau ist: Wenn Dir eine höflich-unverbindliche Absage per E-Mail ins Postfach flattert.
Grau ist: Wenn Du das Gefühl hast, das ist jetzt der eine Job, in dem all Deine Erfahrungen und Kenntnisse kulminieren, der die Erfüllung Deiner Wünsche wäre – und Du wieder einen Tritt in die Fresse bekommst. „Danke“? Nicht dafür!
Anders gesagt: Auch die Arbeitsstelle in Zeitz hat sich zerschlagen. Ich hatte mir gesagt, ich würde nicht hoffen, nichts erwarten. Aber … aber … aber … Es wäre eine gute, eine wichtige, eine richtige Aufgabe gewesen. Endlich. Als ich die E-Mail mit der Absage lese, habe ich bereits einen einstündigen Lauf über knapp elf Kilometer und ein fünfundvierzigminütiges Workout für den Rücken (mein Pflichtprogramm nach dem Fahrradunfall) hinter mir. Natürlich muss ich nun noch mal rein in die Sportschuhe und raus an die Luft.
Die Peterskirche fängt mich auf. Das Mittelschiff ist menschenleer, aber es ist nicht still, da eine Frau an der kleinen Orgel übt. Orgelmusik ist nie fröhlich, also ist sie perfekt für diesen Moment. Ich sehe die Stuhlreihen, die Symmetrie des Gewölbes, die unvollständigen, weil kriegsgeschädigten Glasmalereien. Ich bete um Kraft. Kraft, weiterzumachen, meinen Weg zu gehen, mich nicht entmutigen zu lassen. Tränen rinnen unter der Sonnenbrille hervor. Ich fühle mich nicht erlöst, aber angehört. Ich verlasse die Kirche.

Zurück zuhause ziehe ich mich um fürs Training. Wie konnte es passieren, dass der Einzige, der nie aktiv Fußball gespielt hat, der Ansager ist? Ich gebe die Abläufe vor, laufe, springe, belle Anordnungen, verteile Aufgaben – und drei gestandene Fußballer, die anderen Übungsleiter, folgen mir blind. Und fünfundzwanzig oder etwas mehr Kinder. Zu viele, um sie alle im Auge zu behalten. Gut, dass wir heute zu viert da sind für die Jungs und Mädchen der F-, E- und D-Jugend.
Am Ende des Tages bin ich fast dreiunddreißigtausend Schritte gegangen, gelaufen, gerannt, gesprungen. Mein Körper ist erschöpft, mein Geist leer. Weil von den anderen niemand kann, verpflichte ich mich, am Sonntag die F-Jugend zum Turnier nach Mölkau zu begleiten. Von der Hälfte der Jungs kenne ich noch nicht einmal den Namen. Doch ich werde da sein. Für sie. Nicht in Grau, sondern im Turbine-Blau. Irgendjemand, irgendjemand wird wissen, wer ich bin.
Grau ist: Die Welt.
Farbe ist: Was ich daraus mache.
