Frank Schott, Leipzig
Leipziger Wasserwirtschaft
In Deutschland reden Politiker gerne davon, dass sie die Mietpreise deckeln wollen. Kritische Stimmen meinen, man solle eher den Wohnungsbau forcieren und preiswerter machen. Doch die hiesige Politik gefällt sich momentan lieber darin, den Mangel zu verwalten und den Markt stärker zu regulieren.
Warum ich diese ungewöhnlich politische Bemerkung voranschiebe, hat einen Hintergrund: Alle reden von den Mieten, doch kaum jemand spricht über die Entwicklung der Wohnnebenkosten.
Nahezu jeder wird mitbekommen haben, dass die Energiepreise gestiegen sind, doch hat man hier – im Gegensatz zu manch anderen Kostenblöcken – als Privatperson immerhin noch die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln und von Neukundenrabatten zu profitieren. Ganz anders sieht es dagegen bei monopolistischen Gütern aus. Zu diesen gehören beispielsweise die Abfallbeseitigung, die Straßenreinigung und die Wasserversorgung. Diese Leistungen werden von den Kommunen und Gemeinden bereitgestellt – wobei jene die Gebühren selbst bestimmen.
Als Besitzer einer Immobilie habe ich den Vorteil, alle Abrechnungen seitens der Stadt direkt zu erhalten – die Gebühren sind also nicht in komplizierten Nebenkostenaufstellungen versteckt, wo sie mühsam entschlüsselt werden müssten. Ich erfasse die Preisentwicklung seit Jahren und möchte sie an dieser Stelle einmal vorstellen.
Doch zunächst eine kurze Einführung in den Themenkomplex.
Die Verwendung von Trinkwasser
Im Gegensatz zu seiner Bezeichnung werden nur 4,4% des im Privathaushalt genutzten Trinkwassers zur Flüssigkeitsaufnahme und Essenszubereitung verwendet. Der Großteil davon (69,2%) entfällt auf das Waschen, Duschen, Baden und die Toilettenspülung. Grafik 1 zeigt die jeweiligen Anteile am Gesamtverbrauch basierend auf Daten des Bundesumweltamtes für das Jahr 2023. (I)

Wer die Originalgrafik anschaut, wird sehen, dass darin auch der Wasserverbrauch im Kleingewerbe enthalten ist – diesen habe ich herausgerechnet. Die auf der Website angegebene Menge von 126 Litern pro Kopf stimmt interessanterweise nicht mit den als Excel-Daten herunterladbaren Werten überein – dort sind es nur 121 Liter. Rechnet man auch hier das Kleingewerbe heraus, verbraucht jeder Deutsche im Schnitt 110,1 Liter Trinkwasser pro Tag – das sind 40,19 m³ jährlich. Ohne ins Detail zu gehen: Unser Vier-Personen-Haushalt liegt deutlich unter diesem Wert.

Preisentwicklung für Trinkwasser
Kommen wir nun zu den Preisen für das Leipziger Trinkwasser: Wie haben sich die Tarife für das Monopolgut seit 2015 entwickelt? Hier muss man zwischen drei Berechnungskomponenten unterscheiden – dem Preis je m³, dem Basispreis sowie dem Bereitstellungspreis. Das sind drei Stellschrauben – und an diesen hat die Kommune gewaltig gedreht: Zwischen 45,8% und 56,5% wurden die Gebühren binnen elf Jahren erhöht.

Preisentwicklung für Schmutzwasser
Im Alltag geht so einiges Wasser verloren: Es wird getrunken, lässt Nudeln aufquellen, landet im Blumentopf oder im Vorgarten. Da man das nicht belegen kann, gehen die Wasserwerke davon aus, dass jeder Liter entnommenes Trinkwasser als Abwasser wieder in der Kanalisation landet – in den Rechnungen lautet der Fachbegriff dafür „Schmutzwasser“. Und auch hier finden sich der Mengenpreis je m³, der Basispreis sowie der Bereitstellungspreis. In Leipzig stiegen diese Gebühren von 2015 bis 2026 um zwischen 70,6% und 103,7% – was in der Spitze einer Verdoppelung entspricht.

Das verbrauchte Trinkwasser und das Schmutzwasser sind lediglich zwei Säulen der Abrechnung. Hinzu kommt der Wettereffekt in Form von Regenwasser, das ebenfalls in die Kanalisation fließt. Auch hier hat unsere Kommune mit einer Erhöhung von 46,0% einen kräftigen Schluck aus der Gebührenpulle genommen.

An obiger Grafik kann man ablesen, dass unsere Gebühren für das Niederschlagswasser zwischenzeitlich sogar gesenkt wurden (siehe graue „netto“-Linie). Dahinter steckt ein mathematischer Kniff: Als Ausgleich für den (optisch) gesenkten Preis je Quadratmeter wurde gleichzeitig die angenommene Regenmenge angehoben. Bereinigt man nun diesen künstlich reduzierten Preis um die parallel erhöhte Niederschlagsmenge, zeigen sich die tatsächlichen Kosten für den Haushalt (siehe rote „real“-Linie).
Während also die Gebühren je m³ Regenwasser innerhalb der elf Jahre „nur“ um 46,0% gestiegen sind, erhöhten sich die realen Kosten um 77,9%. Interessant ist, dass die in Rechnung gestellte steigende Niederschlagsmenge dem als Folge des sogenannten Klimawandels politisch behaupteten Mangel widerspricht. Aber vermutlich hat das eine (abgerechnetes Volumen) mit dem anderen (zunehmende Trockenheit) nichts zu tun.
Zusammenfassung
Wer über die Wohnkosten in Deutschland sprechen will, darf dabei die Nebenkosten nicht ausklammern. Hier liegen Monopolpreise vor, also ein „Tauschwert, den ein Monopolist aufgrund seiner Marktstellung (ohne aktuelle Konkurrenz) erzielen kann.“ [II] Da in der Regel kein zweiter Dienstleister in einem Ort Leitungen für Wasser und Abwasser installieren und unterhalten wird, sprechen die Fachleute von einem „natürlichen Monopol“. [III]
Üblicherweise vermutet der Wirtschaftsexperte dann, dass die Durchschnittskosten langfristig abnehmen, weil „ein einziges Unternehmen das Gut kostengünstiger herstellen kann als jede andere Anbieterzahl“. Nicht berücksichtigt wird in diesem Gedanken jedoch, wie dringend die hochverschuldeten Gemeinden Einnahmen benötigen. Und so wird für das lebensnotwendige Wasser Jahr für Jahr an der Gebührenschraube gedreht.
Bei dem vom Umweltbundesamt ermittelten Durchschnittsverbrauch von 40,19 m³ je Person hätten die Leipziger Wasserwerke für einen Vier-Personen-Haushalt zum April 2015 insgesamt 798,87 Euro für Trink-, Schmutz- und Niederschlagswasser berechnet. Elf Jahre später würde sich die Summe bereits auf 1.286,20 Euro belaufen. Eine Kostensteigerung um 61% – ohne, dass sich die erbrachte Leistung geändert hätte.

[I] https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wassernutzung-privater-haushalte#direkte-und-indirekte-wassernutzung
[II] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/monopolpreis-41167
[III] https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/natuerliches-monopol-39365
Basis für die Werte der Grafiken sind die jährlichen Gebührenbescheide der Wasserwerke an den Autor.
Abgerechnet wird immer der Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres, die Gebühren werden jedoch zum 1. Januar erhöht. Damit ist klar, dass nach der Erhöhung vom 1. Januar 2026 für den kommenden Abrechnungszeitraum erneut steigende Kosten zu erwarten sind.
