Frank Schott, Leipzig
Zurück in Leipzig. Ich schleppe mich dahin. Die Wechsel zwischen den klimatisierten Räumen und der warmen Außenluft auf unserer griechischen Insel, die kräftigen Meereswinde, der Hotelpool mit seinem lauwarmen, vermutlich ausgesprochen keimfreundlichen Wasser, oder einfach nur Pech: Jedenfalls habe ich mir eine kräftige Erkältung eingefangen und schlurfe nun vor mich hin. Die nach wie vor schwüle Luft schlägt auf meine Kondition, ich fühle mich total erschöpft – an eine Joggingrunde ist nicht zu denken. Immerhin kann ich mich bei einem schlurfenden Spaziergang am üppigen Pflanzenwuchs an der wieder freigelegten Pleiße erfreuen.

Weniger erfreulich ist beim Nachhausekommen der „Gruß aus der Küche“, den unser getigerter Kater dort hinterlassen hat. Der gefangene, getötete und verspeiste Spatz ist ihm offenbar auf den Magen geschlagen – auf zwei Häufchen verteilt finde ich die hervorgewürgten Reste. Nun ja, wenigstens mundet ihm anschließend das Büchsenfutter.

Ich gieße mir zur Erholung einen Kräutertee mit Ingwer auf und tröste mich damit, dass ich mich zumindest noch langsam bewegen kann – im Gegensatz zu den Leipziger Straßenbahnen, die wohl bis zum 19. Juli gar nicht oder nur sehr eingeschränkt fahren werden.

Was ist passiert? Hitze ist passiert: Die Fugenmasse zwischen den Schienen und dem Asphalt ist geschmolzen und wurde durch Fahrzeugreifen sowie die Räder der Bahnen ringsherum verteilt. Die ausgehärtete Masse hat alles verklebt und muss jetzt mühsam von Hand entfernt werden. Laut Medienberichten springen dabei sogar Büroangestellte ein und versuchen, mit Schabewerkzeugen und Brennern die Gleise und Weichen wieder freizulegen.

Am Samstagnachmittag standen die Straßenbahnen erstmals still, am Sonntag wurde der Betrieb dann dauerhaft eingestellt. Ab Montag sorgte dies für Chaos im Berufsverkehr und für überfüllte S-Bahnen und Busse. Zum Glück stehen die Ferien vor der Tür, was die Lage ab der kommenden Woche deutlich entspannen dürfte.

Die aktuelle Hitzewelle hat auch dem erst im vergangenen Herbst in den Gleisen eingesäten Rasenteppich, der eigentlich zu einem besseren Stadtklima beitragen sollte, den Garaus gemacht – zuvor hatten Anwohner bereits durch abkürzendes Latschen Schäden im Grün verursacht. Ein wahrlich trostloser Anblick, zumal das verbrannte Gras nun auch nicht mehr den Müll verdeckt, den Fahrgäste und Passanten achtlos wegwerfen.

Ich bin dieser Tage nicht der Einzige, der schlurft, sondern auch die deutschen Nationalfußballer, die sich mit nur einem Tor in 120 Minuten sowie drei verschossenen Elfmetern im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus der Weltmeisterschaft verabschiedet haben. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, dachte sich offenbar die Medienabteilung des Bundeskanzlers und postete noch in der Nacht: „Was für ein Spiel … Wir sind stolz auf euch.“ Wenn man es positiv sieht, kann man natürlich sagen: Immerhin hat Deutschland drei Elfmeter verwandelt.

Wie auch immer, das Ausscheiden hat Auswirkungen: So verstopfen beispielsweise die jetzt nicht mehr benötigten WM-Artikel die Grabbelkisten der Discounter. Vermutlich würden die meisten Fans die Fähnchen und Girlanden nicht einmal dann mitnehmen, wenn sie diese geschenkt bekämen – zu tief sitzt die Enttäuschung über die blamable Vorstellung des DFB-Teams.
