HEL Toussaint, Prenzlauer Berg

Ja, da war ein Garten, ein großgeschriebenes Gamma,
dessen längerer Balken drei, vier Gärten entlanglief,
dessen Querstrich innen grobzementmauerbegrenzt war.
Der gehörte dem alten Halfgang, dem Dachdecker. Als der
alte Halfgang starb, stand der lang zum Verkauf, denn die Kinder
lebten längst woanders, hatten nen Makler beauftragt.
Dieses Haus war das mittlerste von drei aneinander-
stehenden, aber der Garten, großgeschriebenes Gamma,
stieß mit dem senkrechten Strich an drei, vier Gärten, und auf der
anderen Längsseite fiel die Wiese nach Holland ab, wo die
Zöllner die Pappelreihe entlang patrouillierten. Und hinter
einer verwilderten Hecke lag Jansens Wiese bis runter
zu der Amstelbachquelle: Ältester Hof, seit dem Dreißig-
jährigen, sagt man, und immer noch der dickste im Ländchen.
Ja, im Heyder Ländchen, der Aussackung: rundherum Holland,
ver-, und wieder entpreußt, und die Grenze mehrmals verschoben.
Dazu kommen wir näxte Stunde, erst mal der Garten.
Wenn ich heute denke, wie das damals all aussah:
unregelmäßig plattiert der hof und bergschadenschief die
Schuppen, an der Mauer die Leiter, aufrecht getragen —
legendär die plumpsklos, die Vettern wissen ’s noch heute —
dann die NSU, die schwarze, Krad aus der Rauschzeit —
Zwei letzte Wünsche vorweg: Durchn Wald über Breitenstein – Grünthal
über die Bahn, am Dachsbau vorbei, der Ameisensiedlung —
No. II: Der Garten, rückgebaut, wie er damals
war, und sei ’s als Kulisse, sei ’s Simulation am Computer.
Hütte auf dem Gelände? Dachkammer, Ausstieg den First lang —
Heute ist ’s immer noch ein großgeschriebenes Gamma,
aber nichts mehr sonst, nicht innerhalb und nicht außer-
halb, des alten Halfgang Dachdeckerhänden entglitten.
Muß der Mensch alles umhauen, nur weil er Werkzeug zur Hand hat?
